Der Dalmatiner

Penny schwarz weiss & Mirko braun weiss

Verhalten und Charakter (Wesen)

Durch die einmalige Fellzeichnung (nur beim Dalmatiner sind die farbigen Tupfen frei von weissen Stichelhaaren oder weissen Haarbüscheln), den harmonischen Körperbau und die raumgreifenden, eleganten Bewegungen gilt der Dalmatiner sicher bei vielen Menschen als "schöner Hund". Bei artgerechter Aufzucht und schrittweiser Sozialisierung in das zivilisierte Umfeld ist der Dalmatiner freundlich, weder scheu noch aggressiv, sehr lebhaft, aber nicht nervös. Aber:diese Rasse ist auch sehr anspruchsvoll. Dies bezieht sich auf deren Ursprung und die heutigen Möglichkeiten, dem genetisch verankerten Verhalten gerecht zu werden. Niemand sollte sich einen Dalmatiner nur aufgrund der oben erwähnten positiven Aspekte anschaffen. In der heutigen Gesellschaft ist es vor allem für Hunde mit urtümlichem rassetypischem Verhalten wie dem Dalmatiner nicht immer einfach, sich uns und den gegebenen Lebensumständen anzupassen. Deshalb müssen wir uns auch ihm anpassen, das heisst, wir müssen uns vor Augen halten, wofür die Getupften durch all die Jahrhunderte gebraucht und wie sie gehalten wurden. Der Dalmatiner war bei seinen Besitzern immer "mit dabei", bewachte selbstständig alles ihm anvertraute und begleitete ebenso selbstständig die Pferdekutschen. Es ging niemand hinter oder neben ihm, um ihm mittels einer Leine die Richtung anzugeben - er lief einfach unermüdlich mit seinem Rudel, den Menschen und Pferden, egal wie weit die Strecke war.

Dies bedeutet für die heutigen Dalmatinerhalter: der ruhige, anschmiegsame Hausgenosse tritt mit uns zum Spaziergang vor die Tür - und dann "läufts"! Das oft gehörte Argument ist aber falsch: "alle Dalmis ziehen an der Leine und haben einen sturen Dickschädel". Richtig ist aber: in gewissen Situationen "gehen mit ihm die Gene durch"! Diese können nicht wegdressiert oder gar mit harten Erziehungsmethoden und Hilfsmitteln unterdrückt werden, auch wenn selbst erfahrene Hundehalter mit einem Dalmatiner an ihre Grenzen stossen können (kynologisch und auch nervlich)!

Vielmehr ist die Voraussetzung für ein glückliches "Leben" mit einem Dalmatiner: Rasse-"Verständnis", von Anfang an Erziehung mit liebevoller Konsequenz, die bereits durch den seriösen Züchter geprägte Bindung an den Menschen weiter ausbauen und sich bewusst sein, dass tägliches freies Bewegen auf Spaziergängen bei jedem Wetter ein "Muss" ist. Dies ein ganzes Dalmileben lang - und über 14-jährige Dalmatiner sind keine Seltenheit!

Dabei sein ist alles!

Trotz seines selbstständigen Auftretens ist der Dalmatiner ein sensibler = feinfühliger Hund. Er braucht seine Familie, möchte stets bei ihr sein, spürt, wenn es ihr nicht gut geht und würde weggesperrt (z.B. in einem Zwinger) verkümmern. Er fährt gerne im Auto mit, läuft neben dem Fahrrad oder seinem joggenden Zweibeiner. Wer die Möglichkeit hat, einen Dalmatiner mit sehr gutem Grundgehorsam als Reitbegleithund mitzunehmen, macht ihm bestimmt eine ganz besondere Freude, denn seine Verbundenheit mit Pferden ist unverkennbar. Auch Dalmatiner, die nicht nahen Kontakt zu ihnen haben, wollen bei Begegnungen mit Pferden diese wie gute altbekannte Kollegen begrüssen.

Hundesportliche Aktivitäten sind auch mit den Getupften möglich: sie sind begeisterungsfähig, arbeitsfreudig, intelligent und somit für verschiedene Sparten geeignet wie Agility, Mobility, Begleit-, Sanitäts-, Fährten- und Katastrophenhund. Nur: Für den Schutzdienst oder für Hundehalter, die von ihrem Vierbeiner "Kadavergehorsam" verlangen, ist der Dalmatiner sicher nicht die geeignete Rasse.

Auszug von Dalmatiner.ch / Text: Simone Zollinger